22st 24-h Thuringian Orienteering Relay
May 31 - Jun 2, 2019

Kaum war 2017 der 24-Stunden-Orientierungslauf vergangen, ging die Planung für eine erneute Auflage los. Es gab einige Ideen für mögliche Austragungsorte, wie beispielsweise Mosbach bei Eisenach, Gumpelstadt bei Bad Salzungen oder den Zellwald bei Siebenlehn.

Mosbach schied leider schnell aus, da der zuständige Forstamtsleiter des Forstamtes Marksuhl gegen eine Sportveranstaltung in „seinem Wald“ war und ist. So plante das Orga-Team um Sören mit dem Wald rund um die Motocross-Strecke bei Gumpelstadt. Die Gemeinde, die Agrargenossenschaft sowie ortsansässige Vereine begrüßten die Veranstaltung, nicht zuletzt aufgrund der positiven Erfahrungen aus Etterwinden. Starke Stürme im Frühjahr 2018 hinterließen jedoch ihre Spuren im Wald, sodass das Forstamt Bad Salzungen die Veranstaltung für 2019 nicht genehmigen konnte.

Wenn ich am Wochenende mal in meiner Thüringer Heimat nahe dem Rennsteig bin und durch den Wald laufe, bin ich jedes Mal aufs Neue betroffen, dass unser schöner Wald so unter der stürmischen Verwüstung leiden musste. Einige Abschnitte gleichen nur noch einer Mondlandschaft.

Zwischenzeitlich stand noch die Variante zur Debatte, den Zellwald bei Siebenlehn zu nutzen. Der Wald war – ebenfalls nach einem Sturm im Frühjahr 2018 – neu kartiert, da die Sportfreunde vom USV TU Dresden im März 2019 dort eine Nachtmeisterschaft ausgetragen haben.

Leicht verzweifelt durch die Absagen und langsam in Zeitnot geratend, besannen sich die Jenaer OLer und fragten in Trockenborn-Wolfersdorf an. Hier war der 24-Stunden-Orientierungslauf bereits vor acht Jahren (2011) ausgetragen worden. So bestanden schon gute Kontakte zur Gemeinde, zur Agrargenossenschaft, zum Forstamt und allen weiteren Beteiligten. Und wenn man erstmal einen kennt, der einen kennt, der einen kennt … ist Einiges deutlich einfacher.

So konnte im Herbst/Winter 2018 der Wald um Trockenborn-Wolfersdorf ab dem Waldbad von Karsten kartiert und gemeinsam mit Mario die Bahnen entwickelt werden. Dabei bestand die Herausforderung darin, den Sportlern ein komplett neues Konzept zu bieten, um die Spannung des Wettkampfes bis zum Ende hochzuhalten. Dies ließ auch die Wettkampfvorbereitung besonders aufleben, aber es gibt keine Probleme, die man nicht lösen kann.

Im Januar waren dann etwa 30 Orientierungsläufer vom USV Jena im Wald, um die Karte und die ausgewählten Postenstandorte zu prüfen.

Es gab kleine Nacharbeiten an der Karte, noch einige organisatorische Treffen in Jena und in Trockenborn-Wolfersdorf und schon war es Mai 2019. Am 19 Mai trafen sich in Jena ca. 20 Helfer und sichteten 7000 Orientierungslaufkarten, checkten die Technik und packten Mannschaftstüten.

In der Woche vor dem Wettkampf hielten sich der Gesamtleiter Sören sowie einige Helfer am Ort des Geschehens auf, um alles für das Wettkampf-Wochenende vorzubereiten. Da gab es einiges zu tun: Festzelt aufbauen, Zeltplatz und Parkplatz trassieren, die Sauna, das Ziel und die Verpflegungsstationen aufbauen, Beleuchtung und Wasser installieren und einiges mehr, was ein unvergessliches Wochenende ausmacht.

Ab Freitagmittag reisten dann die Läufer und deren Begleiter an. Der etwas entferne Parkplatz mit dem anschließenden Weg zum Zeltplatz war für Einige die erste große Herausforderung in Anbetracht des Gepäcks, welches man für 24 Stunden Sport benötigt. Gegen 20:00 Uhr am Freitag waren der Großteil der Läufer vor Ort, die Zelte aufgebaut, die Caravans abgestellt und der 22. Thüringer 24-Stunden-Orientierungslauf konnte beginnen. Nach einführenden Worten des Bürgermeisters Dieter Hoog und des Gesamtleiters Sören sorgte die Jenaer Band „Blackout“ für gute Stimmung im Festzelt. Der 24-Stunden-Orientierungslauf und das Festjahr 85 Jahre Waldbad „Herzog Ernst“ in Trockenborn-Wolfersorf waren eröffnet. Kurz vor Schluss – fast schon traditionell für den Auftakt des 24ers – ließen es sich ein Teil vom Orga-Team und ein paar Läufer nicht entgehen, zu Aloha Heja He zu rudern.

Am Sonnabendfrüh ab 7:00 Uhr erwachten das Waldbad, der Zeltplatz und das WKZ im Getummel der Sportler und Helfer. Die letzten Vorbereitungen wurden getroffen, damit ab 9:00 Uhr ein reibungsloser Wettkampf erfolgen konnte.

Gegen 8:50 Uhr nahmen die Startläufer der Teams Aufstellung auf der kleinen Straße zwischen dem Waldbad und dem WKZ. In diesem Jahr erstmalig – als Ergebnis des neuen Bahnkonzeptes – wurde bei der Startaufstellung zwischen geraden und ungeraden Startnummern unterschieden. Die Läufer mit ungeraden Nummern liefen Richtung WKZ los, die mit geraden Nummern Richtung Bad und schließlich verschwanden alle im Wald. Zunächst wurden die Mottobahnen absolviert, dann die üblichen Tagbahnen, am Abend ab 20:00 Uhr die Dämmerungsbahnen und schließlich die Nachtbahnen. Eine weitere Neuerung, die für einen spannenden Wettkampf sorgte, war die Reduzierung auf ausschließlich easy- und difficult-Bahnen. Die Geländebeschreibung „Der Wald ist insgesamt sehr abwechslungsreich. Eben noch seht ihr nicht wo eure Füße landen, da alles voll mit Jungbäumen, Gras, Blaubeeren, Geäst und Farn ist. Dann taucht unvermittelt glatter Waldboden auf, um ebenso schnell zum dicksten Dickicht zu werden. Zu großen Teilen Nadelbestand und recht viele markante Buchen und Eichen sowie solche, die noch markant werden wollen. Auch Hochstände bieten sich oft als Orientierungsmerkmale an. … Im Wolfersdorfer Wald gab es in den letzten Jahren auch einige Forstmaßnahmen. Viele Wege gleichen eher Baustellenauffahrten als Wegen. Die Maschinenwege wechseln stark im Charakter: sie können stellenweise stark überwachsen und stellenweise tief verschlammt sein. Manche von ihnen sind grasbestanden wie schöne Lichtungen, manche dafür stellenweise kaum zu sehen. Im Wald befinden sich im Schnitt gut 100 Wurzelstöcke pro Quadratkilometer und kilometerlange Spuren und Fragmente alter Forstmaschinenbewegungen. Beides ist in der Orientierungslaufkarte nicht dargestellt.“ hatte es gut getroffen.

Zwischen 13:00 und 15:00 Uhr konnten sich die Jüngsten und Interessierte beim Kinder- und Jedermann-OL auf einer Runde um das Waldbad und das WKZ ausprobieren. Anschließend hatte der Märchenerzähler „Hansi von Märchenborn“ für die kleinen OLer ein schönes Programm parat.

Bei herrlichem Sonnenschein und warmen Temperaturen lud das Waldbad die Läufer und Helfer in ihrer Pause zu einer Abkühlung ein.

Für das leibliche Wohl sorgten die Fleischerei Büchner aus Saalfeld und (fast schon legendär) der Eierkuchenmeister Vitze mit seinen fleißigen Helfern.

Es wurde schnell Sonnabendabend, Nacht und schließlich Sonntagfrüh. Gegen 9:00 Uhr gingen die letzten Läufer der Mannschaften über die Ziellinie und um 10:00 Uhr konnten im Festzelt die Besten geehrt werden.

Die vier besten Teams beim 24-Stunden-Lauf schafften es, alle Bahnen (45 Wechsel) zu absolvieren. Gewonnen hatte hier das Team Ei Guuude vor Geiler Scheiß und ToMMahAWK. Bei den 12-Stunden-Läufern siegte das Team Bulldozer Quattro vor Das führende Team und Mir san die Lehners. Die Kinder- und Jugendstaffel gewann das Sommernachtsträumchen, auf Platz zwei kamen die Hirschlinge und Platz drei belegte das Team Fenri A. Hier schafften das erst- und zweitplatzierte Team alle Bahnen (15 Wechsel). Das neue Bahnkonzept hat sich also bewährt und brachte viele lobende Worte der Läufer ein.

Gegen 11:00 Uhr war der große Aufbruch, die Wettkämpfer reisten ab. Alle Helfer packten fleißig mit an, sodass gegen 16:00 Uhr am Sonntag alles wieder aussah, als wäre nichts gewesen.

Bei traumhaften Wetter waren vom 31.05. bis 02.06.2019 964 Sportler (81 24-Stunden-Teams, 88 12-Stunden-Teams und 17 6-Stunden-Teams) in Trockenborn-Wolfersdorf zu Gast. 83 Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf und ein unvergessliches Sport-Wochenende.

Ein herzliches Dankeschön an ALLE und hoffentlich auf ein Wiedersehen beim 23. Thüringer 24-Stunden-Orientierungslauf vom 14.05. –16.05.2021.

Autor: Christiane Lösch